GeschäftsstatistikWirtschaftsdatenGeschäftsfelder Herausgeber Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau, Franckestraße 5, 06110 Halle (Saale) Telefon: 0345 2126-0, Fax: 0345 2126-105, E-Mail: info@halle.ihk.de, Internet: www.halle.ihk.de Stand: Dezember 2014 Fotos: Felix Abraham, Michael Deutsch, IHK Halle-Dessau, Andreas Löffler Wirtschaftsdaten 2014 im Überblick Allgemeine Daten IHK-Bezirk Halle-Dessau Sachsen-Anhalt Einwohner 1.179.884 2.235.548 Fläche in km² 8.476 20.450 Einwohnerdichte je km² 139 109 IHK-Mitgliedsunternehmen 57.042 107.465 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (Arbeitsort) 407.250 773.556 Arbeitslose 68.996 125.559 Arbeitslosenquote (Basis alle zivilen Beschäftigten) 11,2% 10,7% Jährliche Kaufkraft je Einwohner in Euro 17.833 17.955 Kaufkraftkennziffer (BRD=100) 83,6 84,2 Gewerbeanmeldungen 6.366 12.513 Gewerbeabmeldungen 7.664 14.017 Industrie Betriebe in der Industrie 778 1.480 Beschäftigte in der Industrie 70.326 133.509 Gesamtumsatz in der Industrie in Mio. Euro 27.718 41.747 Auslandsumsatz in der Industrie in Mio. Euro 7.273 11.517 Exportquote 26,2% 27,6% Baugewerbe Betriebe im Bauhauptgewerbe 165 315 Beschäftigte im Bauhauptgewerbe 8.282 16.124 Gesamtumsatz im Bauhauptgewerbe in Mio. Euro 1.043 2.120 IHK-Mitglieder und Kaufkraft Werte für 2014; SV-Beschäftigte Stichtag 30.06.2014; Industrie und Baugewerbe: Betriebe von Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten; Einwohner Sachsen-Anhalt 31.12.2014 Daten nach Zensus 2011 Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt; MB Research GmbH Nürnberg; Agenturen für Arbeit; eigene Berechnungen Innovation und Umwelt Der Arbeitskreis Energiepolitik diskutierte intensiv über ein Energiepolitisches Positionspapier der ostdeutschen IHKn. Forderungen nach bundesweit ein- heitlichen Netzentgelten sowie noch mehr Wettbewerb und einer effizienten Marktintegration erneuerbarer Energien wurden bestätigt. Gleichzeitig wurde der geplante Klimabeitrag für Braunkohlekraftwerke abgelehnt. Die Umsetzung der EU-Industrieemissionsrichtlinie führt zu einem höheren Verwaltungsaufwand bei entsprechenden Genehmigungsverfahren. Deshalb wurden Vorschläge des Umweltministeriums für höhere Gebühren frühzeitig und umfassend im Arbeitskreis Betrieblicher Umweltschutz diskutiert. Daraus resultierende Anregungen wie eine Begrenzung des Gebührenanstiegs wurden vom Umweltministerium berücksichtigt. Wir brauchen ein Gesamtkonzept für die Elbe noch vor der Beschlussfassung zum Bundesverkehrswegeplan 2015! – Das war die Kernaussage einer auf der Generalversammlung der Kammerunion Elbe/Oder (KEO) am 15. April 2015 in Wroclaw (Polen) verabschiedeten Resolution. Andernfalls stünden in den kommenden Jahren keinerlei Mittel zur baulichen Sicherung und Gestaltung des Flusses zur Verfügung. Die Förderung von Innovationen sollte sich auf mehrere Säulen stützen, um die Innovationstätigkeit im Land erfolgreich und nachhaltig zu machen. Auf der finanziellen Seite wurden die Förderrichtlinien des Landes endlich frei- gegeben. Beim Thema „digitale Wirtschaft“ wird die Landesregierung nun ebenfalls aktiv und erarbeitet eine Digitale Agenda, wofür die IHK sich seit Längerem einsetzt. Grundvoraussetzung hierfür ist eine flächendeckende Breitbandverfügbarkeit. International Seit Januar bietet die IHK die Ausstellung Elektronischer Ursprungszeugnisse in der neuen, verbesserten Stufe 2+ an. Damit erfolgen die Beantragung und die Bestätigung ausschließlich auf elektronischem Wege. Auch andere Beschei- nigungen, wie Handelsrechnungen oder Packlisten, können elektronisch be- stätigt werden. Auf Nachfrage von Mitgliedern förderte die IHK den praktischen Erfahrungs- austausch und bot Rundtischgespräche zu Saudi-Arabien, Russland, China, dem Iran und den USA an. Der Arbeitskreis Außenwirtschaft führte intensive Diskussionen zur Trans- atlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP). Die Unternehmer erwarten positive Impulse für den Binnenmarkt und das USA-Geschäft und fordern, die besonderen Herausforderungen für KMU zu berücksichtigen. In 29 Seminaren sowie Wirtschafts- und Länderberatungstagen informierten sich zahlreiche Teilnehmer zu Zollthemen und zum Markteinstieg. Die IHK beriet zudem zunehmend individuell zur Dienstleistungserbringung im Ausland und der Entsendung von Mitarbeitern. Im September beteiligte sich die IHK in Kooperation mit dem Ministerium für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt und der IHK Magdeburg am ersten Wirtschaftsschutztag in Sachsen-Anhalt, der dem wirksamen Schutz für Unternehmen im In- und Ausland gewidmet ist. Recht und Fair Play Die IHK engagierte sich wie gewohnt und bewährt für wirtschaftsfreundliche rechtliche Rahmenbedingungen. Im Interesse der Rechtssicherheit brachte sie sich intensiv in die Diskussion zu Neuregelungen des Insolvenzanfech- tungsrechtes ein. Unter Einbeziehung der potenziell Betroffenen befasste sich die IHK mit absehbaren Erschwernissen im Werkvertragsrecht und verfolgte die Entwicklung bei der Erbschaftsteuerreform. Die Finanzdienstleister standen 2015 erneut rechtlichen Herausforderungen gegenüber. Die IHK unterstützte sie mit rechtlichem Rat und praxisfreund- lichen Verfahrenshilfen. Sie begleitete die bevorstehenden Neuregelungen für Immobiliendarlehensvermittler. Ein Höhepunkt des Jahres war zum zweiten Mal das „Forum für Finanzdienstleister“ mit mehr als 100 Teilnehmern. Erneut war die IHK mit vielfältigen Rechtsberatungsleistungen und der In- formation über neue Rechtsvorschriften gefordert. Hierzu wurden individuelle Auskünfte, die Internetseiten der IHK, Merkblätter sowie Informationsveranstal- tungen genutzt. Das Themenspektrum war sehr breit gefächert. Veranstaltungs- inhalte waren u. a. IT-Recht, Steuerrecht, Haftung des Geschäftsführers, Arbeitsrecht, Insolvenzanfechtung, Immobilienrecht und Rechnungswesen. Beim 10. Sachverständigenforum trafen sich öffentlich bestellte Sachver- ständige, Vertreter der Justiz und von anderen Kammern sowie Mitglieder des Sachverständigenausschusses. Kontakte zu IHK-Börsen 39.314 Besucher auf IHK-Internetseiten 150.528 Unternehmensbesuche 359 Vermittlungen von Geschäftskontakten ins Ausland 153 Veröffentlichungen (Periodika) 1.874 Ausbildungsberatungen 3.797 Benennung von Schiedsgutachtern und -richtern 0 Existenz- und Unternehmensgründung, -entwicklung und -nachfolge 1.234 Messen/Ausstellungen, Auslandsmärkten, Zoll- und Außenwirtschaftsrecht 873 Finanzierungs- und Fördermittelberatungen 19 Technologieberatungen 11 KfW-Energieeffizienz- (Anträge/Auskünfte), Energieberatungen und -auskünfte/Umweltberatungen 83 KfW-Gründercoaching und "Runder Tisch"/Turn around Beratung 240 Rechtsauskünfte und -beratungen 1.355 Sachverständigenbenennung an Gerichte, Unternehmen, Behörden 224 Ansiedlungen, Projekten und Konzepten 9 Arbeitsgelegenheiten (SGB II) 147 Bauleitplanung 118 Landes- und Regionalplanung, Raumordnungsverfahren und Planfeststellungen 4 Beratungshilfeprogramm des Landes (Außenwirtschaftsberatung) 1 Bildungspolitik/Schulplanung 9 Bürgschaften und Beteiligungen 31 Existenzgründer (GZ, EstG, § 16c, ESF) 284 Gewerbeuntersagungsverfahren 83 Handelsregisterangelegenheiten 339 Marktfestsetzungen 117 Rechtssetzungsvorhaben 7 Selbstständigen Tätigkeit von Ausländern 2 Anträge an die Einigungsstelle zur Beilegung wettbewerbsrechtlicher Streitigkeiten 4 Ausbilder-Eignung 8 Carnets ATA 134 Ursprungszeugnisse und Außenwirtschaftsdokumente 12.828 Ehrenamtliche Prüfer 30 EMAS-Erstregistrierung/Verlängerung 9 Gleichstellungen von Auslands-, Berufs- und Meisterabschlüssen 4 Neue Ausbildungsplätze 453 Neueingetragene Ausbildungsverhältnisse 3.451 Plätze für Einstiegsqualifizierungen 224 Versicherungsvermittler-Änderungen und Löschungen 386 Versicherungsvermittler-Erlaubniserteilung 27 Versicherungsvermittler-Registrierung 195 Finanzanlagenvermittler-Änderung und Löschungen 121 Finanzanlagenvermittler-Registrierung 17 Ausbildungsstartertage 2 Ausschuss- und Arbeitskreissitzungen 31 Beteiligungen an Messen und Ausstellungen 23 Länderspezifische Veranstaltungen 10 Fachspezifische Vorträge, Seminare und Workshops 63 Gesprächskreise und Unternehmerstammtische 63 IHK-Starttage und regionale Gründertage 88 Seminare zum Zoll- und Außenwirtschaftsrecht 15 Ausbildungs-/Weiterbildungsprüfungen 12.689 Fachkundeprüfung Verkehr 51 Prüfung für Berufskraftfahrer 407 Prüfung für Gefahrgutbeauftragte/Gefahrgutfahrer 1.038 Sachkenntnisprüfung/Sachkundeprüfung für freiverkäufliche Arzneimittel/ im Bewachungsgewerbe 393 Unterrichtungen im Bewachungsgewerbe/Gaststättengewerbe/für Spielgeräteaufsteller 458 Au sk ün ft e un d Be ra tu ng en St el lu ng na hm en z u bz w . f ür Be sc he in ig un ge n un d Ei nt ra gu ng en Ve ra ns ta ltu ng en Pr üf un ge n un d U nt er ric ht un ge n Mitgliedsunternehmen der IHK Halle-Dessau nach Branchen (Stand: 2015) Dienstleistungsgewerbe 38% Land- und Forstwirtschaft, Fischerei 1% Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe und Energie- und Wasserversorgung 10% Baugewerbe 5,2% Handel 25,5% Verkehr und Lagerei 3,5% Gastgewerbe 7,2% Information und Kommunikation 2,6% Kreditinstitute und Versicherungsgewerbe 7% Jahresticker 2015 Stand: November 2015 Ehrenamt GeschäftsfelderWirtschaftspolitik und -entwicklung Standortpolitik Das Regionalforum Halle tagte vier Mal. Dabei fand eine Sitzung gemeinsam mit dem Regionalforum Leipzig statt. Zwei Themen bestimmten die Sitzungen: die Zukunft der Braunkohle in Mitteldeutschland sowie die Integration der Zu- wanderer in den regionalen Arbeitsmarkt. Auch über ein neues Wirtschafts- leitbild der Region Halle (Saale) wurde diskutiert. Die IHK nahm zu den neuen Landesregelungen für die GRW-Förderung Stellung. Auch durch die Anregungen der IHK konnten zahlreiche Verbes- serungen erreicht werden: Wichtig ist vor allem, dass nun bereits der Erhalt von Dauerarbeitsplätzen als Fördervoraussetzung anerkannt wird. Zudem ließ sich durch die Verringerung der Mindestinvestitionssumme die Hürde für KMU senken, die Förderung in Anspruch zu nehmen. Auch sind einige Branchenaus- schlüsse auf Empfehlung der IHK beseitigt worden. Das Unternehmernetzwerk der Wirtschaftsjunioren ist um einen weiteren Kreisverband im IHK-Bezirk Halle-Dessau gewachsen: Die 2015 neu gegrün- deten Wirtschaftsjunioren Anhalt-Bitterfeld wollen die Akzeptanz für unter- nehmerisches Handeln erhöhen und die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik in der Region aktiv mitgestalten. Starthilfe und Unternehmensförderung Das Interesse für Unternehmer und Unternehmertum zu wecken und für ein besseres Unternehmerbild zu wirken, sind die Hauptanliegen des neuen IHK- Projektes „Unternehmer machen Schule“. Im Rahmen des Unterrichtsfachs „Wirtschaft“ gewähren Unternehmer aus dem IHK-Bezirk Schülerinnen und Schülern der höheren Klassenstufen Einblicke in das Unternehmer(da)sein, stellen ihr eigenes Unternehmen vor und berichten von ihrem Lebensweg und der Gründung ihres Unternehmens. Die Pilotphase des Projektes startete im November an vorerst vier halleschen Sekundarschulen bzw. Gymnasien. Eine Ausweitung auf weitere Schulen im ganzen IHK-Bezirk ist geplant. Um die Interessen der mitgliederstärksten Branche im IHK-Bezirk noch besser zu bündeln und ihr attraktive Unterstützungsangebote zu unterbreiten, wurden zahlreiche Veranstaltungen für die Dienstleistungswirtschaft mit insgesamt über 600 Teilnehmern organisiert. Es wurden ein Branchenfaltblatt mit In- formationen über IHK-Leistungen für Dienstleister und der erste IHK-Dienst- leistungsreport mit einem regionalen Branchenüberblick von 2005 bis 2014 herausgegeben. Als gemeinsame Initiative der gewerblichen Kammern mit Radio Brocken wurde im November die Kampagne „Karriere im eigenen Land“ gestartet, in der die Chancen der Selbständigkeit aufgezeigt und die Unternehmensnachfolge in den Mittelpunkt gerückt werden. Mit dem Ziel, bei der doch recht uneinheitlichen Umsetzung des neuen Gast- stättengesetzes Sachsen-Anhalts einen Konsens zu finden, initiierte die IHK eine Gesprächsrunde mit den Gewerbebehörden im Süden Sachsen-Anhalts. Die hier aufgeworfenen Fragen und Probleme wurden mit der Bitte um Prüfung und gesetzliche Anpassung dem Wirtschaftsministerium übergeben. Aus- und Weiterbildung Die IHK beteiligte sich zum zwölften Mal an der Bildungsmesse „Chance“, an weiteren Berufsfindungsmessen und vielfältigen Berufsorientierungsmaß- nahmen. Auf der „Chance“ stellten die Azubis der IHK die Vielfalt der dualen Ausbildungsberufe ins Zentrum eines Projektes. Die IHK ehrte die erfolgreichsten Absolventen der Aus- und Weiterbildung 2015. 31 Jungfacharbeiter, deren Ausbildungsbetriebe und fünf Absolventen der Fortbildung nahmen die Gratulationen entgegen. Zur Förderung frühkindlicher Bildung unterstützte die IHK die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“. 2015 wurden 42 Workshops mit 606 Teilnehmern angeboten. 21 Kitas und drei Horte wurden als „Haus der kleinen Forscher“ zertifiziert. Beim IHK-Gefahrguttag informierten sich 100 Teilnehmer über den „Transport und die Entsorgung von gefährlichem Müll“. Mit der Halleschen Wasser und Stadtwirtschaft GmbH stand der IHK ein kompetenter Partner zur Seite. Für ihr herausragendes Engagement in der Berufsausbildung zeichnete die IHK zum fünften Mal 14 Unternehmen als „Top-Ausbildungsbetrieb“ aus. Die IHK verzeichnete zum 31. Oktober 2015 3.714 neu eingetragene Aus- bildungsverhältnisse. Dies ist eine Steigerung um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Es wurden 64 Einstiegsqualifizierungen und Einstiegs- qualifizierungen PLUS erfolgreich beendet. 63 Prozent der Jugendlichen konnten anschließend ein reguläres Ausbildungsverhältnis beginnen. Die IHK-Lehrstellenbörse ist nach wie vor ein wichtiges Medium für Aus- bildungsplatzangebote. Insgesamt wurde die Seite mehr als 45.000 angeklickt. Die IHK-Aus- und Weiterbildungsberater führten mehr als 11.000 Bera- tungen durch. Konjunkturelles Zwischenhoch durch Sonderfaktoren Die Stimmung der Unternehmen im Süden Sachsen-Anhalts konnte sich 2015 von der Eintrübung im Vorjahr erholen. Der IHK-Geschäftsklimaindex lag im dritten Quartal bei 16,7 Punkten. Dem ging eine deutliche Aufwärtsbewegung vor allem im ersten Halbjahr voraus. Basis dafür waren Sondereffekte in den konsumnahen Wirtschaftsbereichen - hauptsächlich in Dienstleistungen und Handel, aber auch im Baugewerbe. Die Ursache hierfür waren weiterhin günstige Rahmenbe- dingungen in Form hoher Beschäftigung, günstiger Finanzierungsbedingungen und Reallohnsteigerungen. Diese Sonderkonjunktur schwächte sich im dritten Quartal zwar ab, stärkere Einbrüche sind aber vorerst nicht zu erwarten. Die Geschäftslage bleibt dabei auch im dritten Quartal 2015 mit 38,5 Prozent- punkten auf hohem Niveau, die Geschäftserwartungen sind dagegen mit -5,0 Prozentpunkten wie im Vorjahresquartal per Saldo leicht pessimistisch. An- gesichts anhaltender Regulierungsbestrebungen auf dem Arbeitsmarkt fallen die Beschäftigungspläne weiterhin enttäuschend aus, während die Investitions- planungen durch die geldpolitischen Rahmenbedingungen gestärkt werden. Neue Herausforderungen, alte Probleme Eine Vielzahl politischer Maßnahmen beeinflussen die Rahmenbedingungen merklich und stellen die Unternehmen vor neue Herausforderungen. Mit dem Mindestlohn wurde der Arbeitsmarkt noch etwas starrer gemacht und die Rente mit 63 sorgt für weitere Verknappung gut ausgebildeter Fachkräfte. Regulierungsvorhaben in den Bereichen Zeitarbeit, Werkverträge und Ge- schlechterquoten drohen die Reformerfolge der vergangenen Jahre wieder zunichte zu machen. Bereits heute zeigen sich damit die altbekannten Probleme eines zweigeteilten Arbeitsmarktes, in dem es zunehmend schwieriger wird, insbesondere Geringqualifizierte zu integrieren. In einer Umfrage zu den Auswirkungen des Mindestlohnes unter den IHK-Unternehmen zeigt sich, dass neben sinkendem Gewinn und Preiserhöhungen vor allem auf Neuein- stellungen verzichtet wird. Gerade aber die Bereitschaft zur Neueinstellung von Geringqualifizierten ist angesichts der hohen Zuwanderung aus dem Ausland dringend nötig, um möglichst vielen Menschen eine dauerhafte Perspektive in unserem Land zu geben. Saisonbereinigtes IHK-Geschäftsklima nach Branchengruppen Vollversammlung: Das Parlament der regionalen Wirtschaft Die Vollversammlung fasste im Jahr 2015 in vier Sitzungen insgesamt 17 Beschlüsse und setzte sich mit einer Vielzahl von wirtschaftspolitischen Themen auseinander: So beschloss die Vollversammlung neben den „Positionen der IHK Halle-Dessau zur Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2016“ auch die „Wirtschaftspolitischen Positionen der IHK-Organisation“. In beiden Papieren werden zahlreiche Politik- felder analysiert und Handlungsempfehlungen ausgesprochen, wie die Politik die jeweiligen Probleme im Sinne der Wirtschaft lösen sollte. Mit dem Positionspapier „Chancen von TTIP nutzen!“ forderte die Vollversammlung, die Bedürfnisse von KMU in den Mittelpunkt zu stellen. Die Diskussion um das Transatlantische Handels- und Investitionsabkommen solle konstruktiv, trans- parent und faktenbasiert geführt werden. Heftig kritisiert hat die Vollversammlung den gesetzlichen Mindestlohn. Neben den in einigen Branchen stark gestiegenen Lohnkosten sei es vor allem der bürokratische Aufwand, der viele Unternehmen belaste. Besonders betroffen seien Gastgewerbe, Handel und Verkehr. Notwendig sei die Vereinfachung der Aufzeichnungspflichten. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Wiedervereinigung bewertete die Vollversammlung die Entwicklung der Region insgesamt als Erfolgsgeschichte. Viele Menschen hätten mit Fleiß, Kreativität und Eigeninitiative dazu beigetragen, aus den Trümmern der Planwirtschaft eine wettbewerbsfähige Unternehmens- landschaft aufzubauen. Welch gewaltige Aufbauleistung in der Region gelungen sei, zeige die Tatsache, dass die IHK Halle-Dessau heute wieder rund 57.000 Mitgliedsunternehmen zähle. Schließlich sprach sich die Vollversammlung für die Stärkung der dualen Berufsausbildung aus. Mit seiner Kombination aus schulischer und betrieb- licher Ausbildung werde das deutsche System weltweit bewundert. Es sei notwendig, die duale Ausbildung als gleichwertige Säule neben dem Studium zu stärken. Der Ausbildungswille der Unternehmen sei ungebrochen. Aber der Ansturm auf die Hochschulen, die sinkende Zahl der Schulabgänger und eine teils mangelnde Ausbildungsreife setzten die Betriebe unter Druck. Berufsbildungsausschuss: Qualität weiterhin im Fokus Der Berufsbildungsausschuss befasste sich in seinen drei Sitzungen neben der Ausbildung mit den Ergebnissen der Berufsschulumfrage, der Aus- und Weiter- bildungsumfrage und der Umfrage zu den Erwartungen der Wirtschaft an die Hochschulabsolventen. Weitere Themen waren die Projekte Ausbildungscoach, assistierte Ausbildung und das neue Projekt ValiKom sowie Flüchtlinge und Migranten in der Ausbildung. Finanzdienstleistungsausschuss: Konjunkturentwicklung beein- flusst durch Sondereffekte Der Finanzdienstleistungsausschuss brachte erneut seine branchenübergreifende Perspektive in die Analyse der Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage ein. Die regionale Wirtschaft profitierte von Sondereffekten durch billiges Öl und billiges Geld. Außerdem kritisierte der Ausschuss die verschärfte Regulierung der Kredit- wirtschaft, die gerade kleine Institute mit hohen Bürokratiekosten belastet. Handelsausschuss: Für starken Einzelhandel in attraktiven Städten Der Handelsausschuss setzte sich erneut und verstärkt mit Themen rund um die Stärkung des innerstädtischen Einzelhandels und insbesondere mit dem In- strument Business Improvement Districts (BIDs) auseinander. Nachdem für ein Pilotprojekt geeignete Geschäftsstraßen im IHK-Bezirk eruiert und mit Eigen- tümern und Gewerbetreibenden erste Gespräche geführt wurden, soll nun ein Grundsatzpapier zur möglichen Einführung von BIDs in Sachsen-Anhalt erarbeitet werden. Industrieausschuss: Perspektiven Sachsen-Anhalts diskutiert Von Finanzminister Jens Bullerjahn fordern die Mitglieder eine weitere konse- quente Konsolidierung des Landeshaushaltes, ohne notwendige Investitionen in den Erhalt der Infrastruktur und in Bildung zu vernachlässigen. In weiteren Sitzungen wurden Perspektiven von Industrie 4.0 erörtert, die oft an unzu- reichender Datensicherheit scheitern. Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft wurden intensiviert und in der Energie- und Umweltpolitik mehr technischer Sachverstand der Entscheidungsträger gefordert. IHK-Prüfungsausschüsse: Ehrenamtliche Prüfer im Einsatz Mehr als 1.300 Prüferinnen und Prüfer waren bei der Abnahme von Ausbil- dungs-, Fortbildungs- und Sachkundeprüfungen im Einsatz. Insgesamt wurden mehr als 14.000 Prüfungen durchgeführt. Sachverständigenausschuss: Engagement für Institut der öffent- lichen Bestellung Der Ausschuss befasste sich mit fachlich breit gefächerten Anträgen von Sach- verständigen auf öffentliche Bestellung und beriet die IHK bei ihrer Entschei- dung. Betroffene Sachgebiete waren u. a. Immobilienbewertung, Beton- und Stahlbetonhochbau, vorbeugender Brandschutz, Mineralöle/Mineralölprodukte, Photovoltaik/Photovoltaische Anlagentechnik und Kraftfahrzeugschäden und -bewertung. Abschließend behandelt wurden dabei eine erstmalige und sieben erneute Bestellungen. Tourismusausschuss: Umsetzung des Mindestlohnes im Fokus Die Vorstellung und kritische Auseinandersetzung mit dem Endbericht zum Tourismuswirtschaftlichen Gesamtkonzept für die mitteldeutsche Gewässer- landschaft sowie der neuen Landesrichtlinie zur Förderung des Tourismus waren die Arbeitsschwerpunkte des Tourismusausschusses. Auch auf der Agenda: die geplante Einführung einer Kulturförderabgabe in Halle (Saale) und der Lutherstadt Wittenberg sowie die Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes nach Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes. Verkehrsausschuss: Mehr Praktikabilität beim gesetzlichen Mindestlohn und eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur Eine praxistaugliche Durchführungsverordnung zum Mindestlohn, die be- stehende Rechtsunsicherheiten bei der Bewertung von Bereitschaftszeiten und Haftungsfragen beseitigt, sowie das Bekenntnis zum zugesagten Aus- baustandard für die Elbe von 1,60 m Fahrrinnentiefe an 345 Tagen im Jahr und ein zeitnaher Planfeststellungsbeschluss zum Weiterbau der A 143 waren die Hauptforderungen des Ausschusses an Bund und Land.